Wenn aus Schnee ein Hotel entsteht: So werden die faszinierenden Iglu-Dörfer in den Alpen gebaut

Wenn aus Schnee ein Hotel entsteht: So werden die faszinierenden Iglu-Dörfer in den Alpen gebaut

#igludorf

Ein Hotel komplett aus Schnee und Eis, mitten in den Alpen: Was wie eine märchenhafte Winterwelt aussieht, ist das Ergebnis monatelanger Planung, harter körperlicher Arbeit und ausgeklügelter Technik. Seit 1995 entstehen jedes Jahr aufs Neue beeindruckende Iglu-Dörfer, in denen Gäste eine außergewöhnliche Nacht im ewigen Weiß verbringen können. Doch wie baut man eigentlich ein Hotel aus Schnee?

Tausende Tonnen Schnee und jede Menge Handarbeit
Bis ein Iglu-Dorf seine ersten Übernachtungsgäste begrüßen kann, ist einiges zu tun. Rund 2.000 Arbeitsstunden und etwa 50 Arbeitswochen stecken nach Angaben des Betreibers in einem einzigen Dorf. Dabei werden gewaltige Schneemengen verarbeitet: Allein für ein Iglu-Zimmer benötigt das Bauteam zwischen 60 und 80 Kubikmeter Schnee. Ein komplettes Iglu-Dorf bringt schließlich rund 3.000 Tonnen auf die Waage. Was später wie eine kunstvoll gestaltete Winterlandschaft wirkt, verlangt den Erbauern einiges ab. Bei eisigen Temperaturen entstehen Schritt für Schritt Schlafräume, Gänge und Gemeinschaftsbereiche. Erfahrung, Teamarbeit und körperlicher Einsatz sind dabei ebenso wichtig wie die richtige Technik.

Jedes Iglu mit individuellem, aus dem Schnee herausgeschälten Motiv zum Thema „Wasserwelten“

Unsere Redaktion hatte letzten Winter Gelegenheit, im Iglu-Dorf auf der Zugspitze zu übernachten. Große Foto-Galerie davon: Hier klicken!

Das Geheimnis der Iglus: Eine besondere Ballontechnik
Anders als beim traditionellen Iglubau werden die Räume nicht aus einzelnen Schneeblöcken zusammengesetzt. Stattdessen kommt eine eigens patentierte Ballontechnik zum Einsatz. Aufblasbare Formen dienen als Grundlage für die spätere Architektur. Darüber wird Schnee aufgebracht, der sich zu einer stabilen Konstruktion verfestigt. Anschließend können die Ballons entfernt werden. Zurück bleiben beeindruckende Schneeräume mit gewölbten Decken. Diese besondere Bauweise ermöglicht es, ganze Hotelanlagen aus Schnee entstehen zu lassen. Je nach Größe bieten die Iglu-Dörfer Übernachtungsmöglichkeiten für bis zu 46 Personen.

Versteckte Technik unter der Schneedecke
So ursprünglich ein Iglu-Dorf auch aussehen mag, hinter den Kulissen steckt moderne Infrastruktur. Rund 1.500 Meter Kabel werden laut Betreiber in einem einzigen Dorf verlegt. Die technischen Installationen sind notwendig, damit aus den kunstvollen Schneebauten ein funktionierender Hotelbetrieb wird. Denn auch mitten in der winterlichen Bergwelt müssen zahlreiche Abläufe organisiert und technische Einrichtungen betrieben werden.

Warum es im Iglu wärmer ist als draußen
Besonders überraschend ist das Klima im Inneren der Schneehotels. Während draußen eisige Temperaturen herrschen, liegt die Temperatur in den Iglus meist bei rund 0 Grad. Der Grund dafür ist die natürliche Isolationswirkung des Schnees. Die eingeschlossene Luft zwischen den Schneekristallen reduziert den Wärmeaustausch und schützt das Innere vor extremer Kälte. Kuschelig warm wie in einem gewöhnlichen Hotelzimmer wird es zwar nicht, doch mit geeigneter Winterausrüstung und warmen Schlafsäcken wird die Übernachtung zu einem besonderen Erlebnis.

Lage des von uns besuchten Iglu-Dorfes auf dem Zugspitzplatt

Ein Hotel, das jedes Jahr neu entsteht
Das wohl Außergewöhnlichste an den Iglu-Dörfern ist ihre Vergänglichkeit. Während gewöhnliche Hotels für Jahrzehnte gebaut werden, existieren die Schneehotels nur während der Wintersaison. Steigen im Frühjahr die Temperaturen, schmelzen die kunstvollen Bauwerke langsam dahin. Im nächsten Winter beginnt die Arbeit von vorn. Neue Räume entstehen, Schnee wird bewegt und eine einzigartige Winterwelt nimmt erneut Gestalt an. Seit mehr als 30 Jahren zeigt das Iglu-Dorf-Konzept damit, wie sich handwerkliches Können, Erfindergeist und Natur zu einem außergewöhnlichen touristischen Erlebnis verbinden lassen.

Wer einmal in einem solchen Schneehotel übernachtet, erlebt nicht nur eine besondere Nacht in den Alpen, sondern auch das Ergebnis einer beeindruckenden Bauleistung, die jedes Jahr aufs Neue vollbracht werden muss.

Weitere Informationen: www.iglu-dorf.com